Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Objekt im Fokus

Kindermütze von Magdalena Herskovitz

Ihre ersten Lebensjahre verbrachte Magdalena Herskovitz in einem Versteck in der Slowakei. In dem Satellitenstaat des Deutschen Reiches wurde die jüdische Bevölkerung ab 1942 systematisch verfolgt. Die Familie von Magdalena Herskovitz wollte der Verfolgung entgehen, wurde aber verraten. Im Dezember 1944 kam die Dreijährige mit ihrer Mutter und ihrer Schwester in das KZ Ravensbrück. Sie starb dort am 8. März 1945. Ihre Schwester Dr. Eva Bäckerová stiftete die Mütze 2007 der Gedenkstätte.

Im KZ Ravensbrück waren mindestens 900 Mädchen und Jungen im Alter von zwei bis 16 Jahren aus 18 Nationen inhaftiert. Sie wurden mit ihren Familien eingewiesen oder ohne Angehörige aus anderen Lagern überstellt. Etwa 560 Kinder kamen zwischen 1943 und 1945 im KZ Ravensbrück zur Welt. Die meisten Neugeborenen starben nach kurzer Zeit.

Jungen wurden meist ab dem zwölften Lebensjahr im Männerlager untergebracht; ab Herbst 1944 lebten sie dort in einem eigenen Block. Im Frauenlager blieben die Kinder mit den Erwachsenen zusammen. Etwa ab dem zwölften Lebensjahr wurden sie zur Arbeit eingesetzt, Jüngere blieben tagsüber in den Baracken. Mithäftlinge organisierten heimlich Spielzeug und Unterricht, „Lagermütter“ wurden zu Bezugspersonen für Kinder ohne Angehörige. Spiele der Kinder wie „Appell“, „Selektion“ und „SS“ waren an der Lagerrealität orientiert.

Die Kindermütze von Magdalena Herskovitz wird in der Hauptausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück gezeigt. Es ist eines von zwei Objekten zum Thema der tschechoslowakischen Haftgruppe. (ehemalige Kommandantur, Obergeschoss, Raum 2.2).

Baumwollmischgewebe, 15 x 22 cm

Die Häftlingsnummer von Jewgenia Klemm (geb. Radakovic)

Jewgenia Lasarewna Radakovic wurde am 20. Dezember 1898 in Belgrad geboren. Nach dem Studium unterrichtete sie in Odessa Geschichte an Schulen und am Pädagogischen Institut Methodik des Geschichtsunterrichts. Im Oktober 1941 meldete sie sich als Krankenschwester freiwillig an die Front. 1942 geriet sie in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde letztlich in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt. Im Lager gab Jewgenia Klemm ihren Mitgefangenen heimlich Deutsch- und Geschichtsunterricht.

Im April 1945 wurde sie auf einem der Evakuierungsmärsche von der Roten Armee befreit. Sie kehrte im Herbst desselben Jahres an das Pädagogische Institut in Odessa zurück. Der Verdacht, dass sie während ihrer Gefangenschaft mit den Deutschen kollaboriert hätte, führte zu ihrer Entlassung. Im selben Jahr, am 2. September 1953, nahm sie sich daraufhin das Leben. In ihrem Abschiedsbrief schrieb sie: „Ich war immer der Meinung, dass arbeiten heißt leben und kämpfen. Nicht arbeiten heißt nicht leben.“

Die Häftlingsnummer von Jewgenia Klemm wurde im Frühjahr 1943 vergeben. Damit lässt sich ihre Einlieferung im Konzentrationslager Ravensbrück ungefähr datieren. Das Objekt kam 2011 durch Vermittlung der Journalistin Sarah Helm in die Sammlung und befindet sich zurzeit im Depot der Gedenkstätte Ravensbrück.

Baumwolle, 6,8 x 13,5 cm, MGR/SBG, V3842 B3

Zeichnung von Nina Jirsíková

Die Zeichnung "Nocní setkání" (Nächtliches Treffen; undatiert) gehört zu den wenigen Karikaturen, die die Tschechin Nina Jirsíková (1910-1978) in der Lagerzeit fertigte. Hier ist ein heimliches Treffen in den Waschräumen und Latrinen dargestellt.

Nina Jirsíková war eine Tänzerin, Choreographin und Kostümbildnerin. Seit ihrem 16. Lebensjahr arbeitete sie unter anderem am avantgardistischen Theater D- 41 ("Decko") in Prag. Am 12. März 1941 wurde sie verhaftet. Anlass war die Aufführung des Ballettes "Pohádka o tanci" ("Das Märchen vom Tanz"), das als Parabel auf die nationalsozialistische Besatzung verstanden wurde.
Nina Jirsíková kam in das Prager Gefängnis Pankrac und wurde Ende des Jahres 1941 in das Frauen- KZ Ravensbrück deportiert. Sie erhielt die Haftnummer 8681. Sie musste u.a. in der Kürschnerei und Reißerei der KZ-Lagerbetriebe und dann später in den nahegelegenen Siemenswerkstätten Zwangsarbeit verrichten. In den wenigen Stunden der "Freizeit" im Block tanzte sie, fertigte satirische Zeichnungen an und schrieb ein Lustspiel. Diese Aktivitäten waren laut Lagerordnung verboten und konnten Bunkerhaft oder Prügelstrafe nach sich ziehen.

Nach der Befreiung arbeitete Nina Jirsíková wieder am Theater, konnte aber wegen körperlicher Beschwerden nicht mehr tanzen. 1972 schrieb sie ihren Bericht "Über die künstlerische Arbeit im Konzentrationslager Ravensbrück". Sie starb am 23. November 1978.

Diese und weitere Zeichnungen von ihr sind in der Dauerausstellung "Das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück - Geschichte und Erinnerung" zu sehen.

Buntstiftzeichnung auf Papier, 14,9 x 10,3 cm, MGR/SBG, V776a E1

Erinnerungen von Isa Vermehren

Zu den frühen publizierten Texten von Zeitzeuginnen gehören die Erinnerungen von Isa Vermehren. Die erste Auflage erschien im Christian Wegner Verlag (Hamburg 1946) unter dem Titel "Reise durch den letzten Akt : Ein Bericht (10.02.44 bis 29.06.45)". Vermehrens Buch ist seither in zahlreichen Auflagen erschienen, zuletzt im Rowohlt-Taschenbuch-Verlag (Reinbek bei Hamburg 2005).

Die Autorin wurde 1918 in Lübeck geboren. Ihre Opposition gegen das NS-Regime war Anlass, die Schule 1933 zu verlassen. Es folgte der Umzug nach Berlin. Von 1933 bis 1935 trat sie im Berliner politischen Kabarett "Katakombe" auf. Nach Schließung des Kabaretts beendete sie die Schule mit dem Abitur. 1938 konvertierte sie zum Katholizismus. 1944 wurde die Familie in so genannte Sippenhaft genommen, nachdem der Bruder von Isa Vermehren im Ausland politisches Asyl erbeten hatte. Isa Vermehren wurde in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück gebracht, weitere Haftstätten folgten.

In "Reise durch den letzten Akt" berichtete sie über ihre Haft im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück und weiteren Haftstationen bis zu ihrer Befreiung und Heimkehr nach Hamburg. 1947 war sie unter den Mitwirkenden im Film "In jenen Tagen" von Helmut Käutner zu sehen. Sie spielte die Rolle des Dienstmädchens Erna, das der Mutter eines Attentäters vom 20. Juli 1944, beim "Untertauchen" zu helfen versucht.

Isa Vermehren erwarb das philologische Staatsexamen, wurde 1951 Ordensschwester und war als Schulleiterin in Bonn und Hamburg tätig. Sie starb 2009 im Alter von 91 Jahren.

Nach dem Fall der innerdeutschen Grenze kam Isa Vermehren zu einer Lesung in die Gedenkstätte Ravensbrück. Anlässlich des 50. Jahrestages der Befreiung des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück besuchte sie die Gedenkstätte erneut, um an einem ökumenischen Gottesdienst teilzunehmen. 1994 gestattete sie dem Dresdner Maler Christoph Wetzel sie zu porträtieren.

Öl auf Leinwand, MGR/SBG, V1597 L2

Ein Interview mit Isa Vermehren finden Sie im Videoarchiv "Die Frauen von Ravensbrück" der Filmemacherin Loretta Walz.

 

Fotografie von Stanka Krajnc

In der Fotothek der Mahn- und Gedenkstätte werden 34.800 Fotografien archiviert. Ein Sammelschwerpunkt sind Fotografien ehemaliger Gefangener des KZ Ravensbrück.

Stanka Krajnc wurde in Zagreb geboren und wuchs in Radvanje bei Maribor in der slowenischen Steiermark auf. Mit der deutschen Besatzung 1941 musste ihre slowenische Schule schließen und Stanka an ein deutschsprachiges Gymnasium wechseln. Ein Freund brachte sie 1943 in Kontakt mit einer Gruppe Jugendlicher, die Partisaneneinheiten im Gebirge mit Lebensmitteln unterstützte und Flugschriften verbreitete. Die Gestapo verhaftete Stanka Krajnc im Januar 1944 mit 30 weiteren Jugendlichen. Nach monatelanger Gefängnishaft kam sie über das KZ Ravensbrück im Mai 1944 in das „Jugendschutzlager“ Uckermark. Sie war eine der wenigen Jugendlichen, die dort nach der Räumung des Lagers Anfang 1945 bis April verblieben. Nach Kriegsende beendete Stanka Krajnc ihre Schulausbildung, studierte Medizin und gründete eine Familie. Seit ihrer Pensionierung engagierte sich die Medizinprofessorin für die Erinnerung an das „Jugendschutzlager“ Uckermark.

Stanka Krajnc-Simoneti, 1960er Jahre, MGR/SBG, Foto Nr. 2005/441

Puppe von Zdena Nedvedová-Nejedlá, genannt Zdenka

Zdenka Nejedlá wurde am 20. August 1908 in Prag geboren. Nach der Schule entschied sie sich, Medizin zu studieren und trat 1932 der Kommunistischen Partei bei. 1933 heiratete sie ihren Studienfreund Milos Nedved und ein Jahr später wurde ihre Tochter Hanka geboren. Nach der Promotion eröffnete sie ihre eigene Arztpraxis.

Aufgrund ihrer Kontakte zu kommunistisch und künstlerischen Kreisen wurde sie am 5. Juni 1942 von der Gestapo verhaftet und gemeinsam mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter nach Theresienstadt deportiert, wo sie als Häftlingsärztin arbeitete. Im August 1943 brachte man Zdenka Nedvedová ins Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, ihr Mann und seine Mutter wurden in Auschwitz umgebracht.

In Ravensbrück arbeitete Zdenka Nedvedová erneut als Häftlingsärztin unter SS-Arzt Treite und ab September 1944 als Kinderärztin im Säuglingsblock. Ihr gelangen zahlreiche Fälschungen von Dokumenten die Mithäftlinge vor dem Tod retteten.

Nach der Befreiung verweigerte sie zunächst den Abtransport und blieb im Lager Ravensbrück um sich um circa 2000 zurückgelassenen Häftlinge zu kümmern. Erst Ende Mai begleitete sie einen Krankentransport nach Prag. Bereits einen Monat später nahm sie ihre Arbeit als Kinderärztin in Prag wieder auf. Sie wurde Vorsitzende der tschechoslowakischen Lagergemeinschaft Ravensbrück, Mitglied des Internationalen Ravensbrück-Komitees und trat als Zeugin in den Hamburger Ravensbrück-Prozessen auf.

Die Puppe ist ein Geburtstagsgeschenk von Lis Londonová an Zdenka Nedvedová vom August 1944. Erstmals wurde sie 1959 in der ersten Ausstellung der damaligen Nationalen Mahn- und Gedenkstätte ausgestellt. Heute befindet sich die spanische Puppe mit schwarzem Spitzenkleid wieder in der Hauptausstellung der Gedenkstätte Ravensbrück.

Verschiedene Mischgewebe, Spitze, Draht, Echthaar; MGR/SBG, V606 D3