Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Ravensbrück. Der Zellenbau: Ausstellung und Untergeschoss wieder zugänglich

Die 2006 eröffnete Ausstellung thematisiert die Geschichte des Zellenbaus im KZ Ravensbrück. Das 1939 als Lagergefängnis des Konzentrationslagers errichtete und weitgehend original erhaltene zweistöckige Gebäude umfasste einen Zellentrakt mit 78 Zellen, der mit durchbrochener Decke, Zellenumgang und Lichthof äußerlich an klassische Gefängnisbauten erinnert. Im Nordflügel des Gebäudes befand sich ein Verwaltungstrakt.

Bis zum April 1945 verbüßten Häftlinge aus dem Frauen- und dem Männerlager Ravensbrück sowie aus dem „Jugendschutzlager Uckermark“ im Zellenbau Arreststrafen, an Häftlingen des Frauenlagers wurde hier die Prügelstrafe vollzogen. Seit Februar 1944 diente der Bau auch zur Unterbringung von Untersuchungshäftlingen einer Gestapo-Sonderkommission des Reichssicherheitshauptamtes, die dort Mitglieder verschiedener Widerstandskreise wie Elisabeth von Thadden, Johanna Solf, den 2001 seliggesprochenen katholischen Gewerkschafter Nikolaus Groß, die Ehefrau des Hitler-Attentäters Nina Schenk Gräfin von Stauffenberg und Helmuth James Graf von Moltke inhaftierte. Angehörige deutscher Regimegegner wurden dort als „Sippenhäftlinge“ festgehalten. Im Zellenbau wurden auch Häftlinge vor ihrer Exekution untergebracht. Im August 1943 nahm die SS im Zellenbau an fünf Polinnen, die sich geweigert hatten, sich im Rahmen medizinischer Experimente operieren zu lassen, Zwangsoperationen vor. Zudem diente das Gebäude zur Unterbringung von SS-Angehörigen, die aufgrund von Disziplinarverfehlungen Arreststrafen verbüßten oder sich in Untersuchungshaft befanden.

Nach Kriegende wurde der Zellenbau wie auch das übrige Lager zunächst durch die sowjetische Armee genutzt. 1959 entstanden in diesem Gebäude das erste Lagermuseum der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück sowie erste Gedenkräume. Seit einer Umgestaltung Mitte der 1980er Jahre sind im Obergeschoss des Zellenbaus nationale Gedenkräume untergebracht, das Unterschoss beherbergte Gedenkräume einzelner Häftlingsgruppen sowie mehrere rekonstruierte Arrestzellen. Mit der nun abgeschlossenen Baumaßnahme wurden die Außenhülle und das stark feuchtegeschädigten Untergeschoss saniert und die historische Erschließung wiederhergestellt. Außerdem wurde das Gebäude barrierefrei erschlossen. Die Ausstellung zur Geschichte des Ortes und das Untergeschoss sind nun wieder zugänglich für Besuchende.

Ausstellungskatalog