Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Das Gestaltungskonzept: Akzente setzten - Farbe bekennen

In einem der acht ehemaligen Aufseherinnen-Wohnhäuser auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Ravensbrück ist seit dem 8. August 2020 die neue Dauerausstellung „Im Gefolge der SS“ zu sehen sein. Wie sind die Gestalterinnen von büroberlin mit dem historischen Gebäude umgegangen, das das größte Exponat und zugleich der Ausstellungsraum ist? Womit überzeugte ihr Wettbewerbsentwurf die Jury?

Wer innerhalb der historischen Räumlichkeiten nach aufwändigen Rekonstruktionen vergangener Interieurs sucht, darf sich überrascht zeigen. Die Gestalterinnen Ruth Schroers, Julia Neubauer, Vesselina Wilhelm und Christine Czaika von büroberlin konzentrierten sich auf eine minimal-invasive Gestaltung, in der keine ‘falschen’ Wände oder künstliche Raumstrukturen den Blick verstellen. So bleibt der Blick auf die Grundarchitektur als zentraler Referenzpunkt für die Ausstellung erhalten. Flur, Wohn- und Schlafbereich werden in eben dieser Abfolge immer wieder durchlaufen. 

Tatsächlich ‘gestaltet’ werden die Räume durch den Einsatz eines “Grünen Bandes”, das sich an den Wänden der Appartments entlang schlängelt. Ein Großteil der Ausstellungsexponate wird auf bzw. an diesem Band gezeigt. Es zeichnet in diesem Sinne die Grundarchitektur ein weiteres Mal nach, bietet Orientierung, erlaubt Brüche und verbindet vor allem die vielen Geschichtsfäden der einzelnen Ausstellungskapitel miteinander. Der Blick auf die Farbskala des Grüns weckt eine Vielzahl von Assoziationen, verwehrt sich aber bewusst einer eindeutigen Zuordnung. Es gilt Akzente zu setzen, Farbe zu bekennen.

Ein besonderes Augenmerk gilt auch der biografischen Darstellung der Aufseherinnen. Letztere werden durch freistehende Stelen im Raum präsentiert, die die Farbe des Bandes zwar mit aufnehmen, räumlich jedoch aus diesem heraustreten – ähnlich wie die „Person“ aus ihrer „Rolle“ - oder umgekehrt. Im Falle der Oberaufseherinnenbiografien entstehen dabei regelrecht Kippbilder: anstelle des grünen Untergrunds, wird hier ein kräftiger Gelbton eingesetzt, der auf dem “Grünen Band” sonst nur typografisch verwendet wird. Alles anders oder nur eine Nuance? Der Entwurf von büroberlin wird die Geschichte nicht ‘erklären', aber genau dorthin leiten, wo diese Fragen entstehen.