Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Presseinformationen

27/2020: „Im Gefolge der SS“ – Neue Ausstellung über die Aufseherinnen des Frauen-Konzentrationslagers in der Gedenkstätte Ravensbrück

07. August 2020

Nr.: 27/2020

Ab dem morgigen Samstag ist in der Gedenkstätte Ravensbrück eine neue Ausstellung über die etwa 3.340 Frauen zu sehen, die in den Jahren 1939 bis 1945 für den Dienst als Aufseherin im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück ausgebildet wurden. Sie bewarben sich freiwillig oder wurden von den Arbeitsämtern dienstverpflichtet. In insgesamt neun Kapiteln erzählt die Ausstellung, die sich in einem der ehemaligen Aufseherinnen-Wohnhäuser befindet, die Geschichte und Nachgeschichte der Aufseherinnen. Dies geschieht aus Sicht der Häftlinge, der Aufseherinnen selbst, der KZ-Verwaltung, der Fürstenberger Nachbarschaft und nach 1945 aus Sicht der Strafverfolger, der KZ-Überlebenden, der Kinder von Aufseherinnen und der Gesellschaft.

Gedenkstättenleiterin Andrea Genest: „Die neue Dauerausstellung, die auf dem neuesten Forschungsstand basiert, ist für die Gedenkstätte Ravensbrück gleich in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung: Das Thema des weiblichen SS-Personals wird von den Besuchern stark nachgefragt. Außerdem vermittelt die Ausstellung nicht nur fundierte historische Informationen, sondern befasst sich auch mit der Figur der SS-Aufseherin in der Populärkultur.“

Kuratorin Simone Erpel: „Im Zentrum der neuen Dauerausstellung steht die Frage, wie aus ganz durchschnittlichen Frauen in kurzer Zeit gewaltbereite KZ-Aufseherinnen wurden. Wir thematisieren in der Ausstellung die alltägliche Gewalt von Aufseherinnen - also die Gewalt, die aus eigener Initiative und ohne konkreten Befehl von oben ausgeübt wurde. Nur ganz wenige Frauen verweigerten den Einsatz als KZ-Aufseherin.“

Neben historischen Fotos und Dokumenten werden Briefe einer dienstverpflichteten Aufseherin ausgestellt sowie erstmals die Aussagen zweier Frauen, die den Einsatz im Konzentrationslager aus Gewissensgründen verweigerten. Ein besonderes Exponat ist die Mütze einer Aufseherin, die Antoine Cordier, Sohn einer französischen Ravensbrück-Überlebenden, 2019 der Gedenkstätte stiftete. Des Weiteren wird ein Filmausschnitt aus dem Jahre 1943 präsentiert, der mit einer Länge von lediglich 13 Sekunden das einzige bekannte filmische Dokument ist, das Häftlinge und Bewacherinnen in einem Ravensbrück-Außenlager zeigt.

Außerdem werden eine Aufseherin-Uniform sowie eine SS-Barbiepuppe, die im Internet als Fan-Artikel verkauft wird, präsentiert. Zahlreiche bisher unbekannte Privatfotografien der SS und Häftlingszeichnungen, Audio- und Videointerviews unter anderem mit drei ehemaligen Aufseherinnen dokumentieren deren Selbstwahrnehmung und die Erinnerungen ehemaliger Häftlinge. Auch der aktuelle Stand der Strafermittlungen (2020) gegen ehemalige Aufseherinnen ist Gegenstand der Ausstellung.

In Kooperation mit dem historischen Ausstellungsprojekt haben die international renommierten Künstlerinnen und Künstler Marianna Christofides, Arnold Dreyblatt, Moritz Fehr, Dominique Hurth und Susanne Kriemann Interventionen entwickelt, die ab dem 13. September 2020 in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch eine finanzielle Förderung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg. Die künstlerischen Arbeiten wurden durch die Kulturstiftung des Bundes gefördert. Unter der wissenschaftlichen Leitung der bis vor kurzem amtierenden Gedenkstättenleiterin Insa Eschebach kuratierte die Historikerin Simone Erpel die Dauerausstellung. Dominique Hurth zeichnet für das künstlerische Projekt verantwortlich. Die Ausstellung wurde von büroberlin gestaltet. Zur Ausstellung liegt ein wissenschaftlicher Begleitband vor (3. Auflage 2018).

 

„Im Gefolge der SS. Aufseherinnen des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück“
Dauerausstellung in einem der ehemaligen Wohnhäuser der Aufseherinnen

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg an der Havel

Eingeschränkte Öffnungszeiten aufgrund der Pandemie (ab 8. August 2020): täglich außer montags 11.00 bis 14.00 Uhr

Information: www.ravensbrueck-sbg.de

 

Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
16515 Oranienburg | Heinrich-Grüber-Platz | T +49 3301 810920 | F +49 3301 810926
seferens@stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de


Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird vom Ministerium des Landes Brandenburg und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

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