Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Presseinformationen

38/2018 Europäische Sommer-Universität Ravensbrück widmet sich der NS-Agrarpolitik und den landwirtschaftlichen Versuchsgütern der Konzentrationslager

11. Juli 2018

Nr.: 38/2018

Die nationalsozialistische Agrarpolitik und Ernährungsforschung sowie deren Querverbindungen zum KZ-System stehen im Mittelpunkt der 13. Europäischen Sommer-Universität Ravensbrück, die vom 2. bis 7. September 2018 in der Gedenkstätte Ravensbrück stattfinden wird. Dazu werden rund 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studentinnen und Studenten sowie Interessierte aus dem In- und Ausland erwartet.

 

Diskutiert werden der Zusammenhang von Agrarpolitik und Ostexpansion sowie die Funktion und Bedeutung der im Umfeld von Konzentrationslagern angesiedelten landwirtschaftlichen Versuchsgüter der SS. Außerdem geht es um Zwangsarbeit in der Landwirtschaft, um Zucht und Auslese in der Agrarproduktion und „Rassenhygiene“ aus geschlechterhistorischer Perspektive. Auch die Geschichte der ökologischen Wirtschaftsweise von ihren Ursprüngen bis in die Gegenwart wird in Hinblick auf ihre verschiedenen ideologischen Inanspruchnahmen in den Blick genommen werden. Im Rahmen einer Forschungsbörse werden Nachwuchswissenschaftler ihre Forschungsprojekte zum Thema der diesjährigen Sommer-Universität oder zur Geschichte des ehemaligen Frauen-KZ Ravensbrück zur Diskussion stellen.

 

Gedenkstättenleiterin Dr. Insa Eschebach: „Das Thema der diesjährigen Sommer-Universität steht auch im Zusammenhang mit einem zweijährigen Forschungsprojekt der Gedenkstätte Ravensbrück über die SS-Organisation ‚Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH‘, die unter anderem die Versuchsgüter betrieb. Mit diesem Forschungsschwerpunkt wollen wir nicht nur ein bisher kaum bekanntes Kapitel der KZ-Geschichte näher in den Blick nehmen, sondern auch kritisch auf die ideologisch belasteten Anfänge der biologisch-dynamischen Ernährungsweise schauen, mit deren Produkten vielen Menschen täglich umgehen.“

 

Im Rahmen der Kriegsvorbereitungen förderte das NS-Regime umfangreiche Forschungen zu Ernährung und Landwirtschaft. Um die Versorgung der deutschen Bevölkerung und der Wehrmacht zu gewährleisten, wurde dabei der Hungertod von Millionen von Menschen in Osteuropa einkalkuliert.

 

 

 

 

Im Umfeld der Konzentrationslager Ravensbrück, Dachau, Auschwitz und Mauthausen richtete die SS landwirtschaftliche Versuchsgüter auf der Basis der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise ein, wo im Kontext der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reichs mit Nahrungsersatzstoffen, Vitaminen und heimischen Alternativen für Kautschuk experimentiert wurde. KZ-Häftlinge mussten Zwangsarbeit leisten.

 

Das vollständige Programm finden Sie im Anhang.

 

Interessierte können sich noch bis zum bis zum 20. August 2018 unter https://bit.ly/2DXlXrD für die Teilnahme an der Sommer-Universität anmelden. Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben.

 

 

Abbildung im Anhang: Weibliche Häftlinge des KZ Ravensbrück beim Anlegen von Beeten in der Gärtnerei (© Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück)

 

 

2. bis 7. September 2018

13. Europäische Sommer-Universität Ravensbrück:

Hunger, Zwangsarbeit und Ernährungsforschung. Nationalsozialistische Ernährungspolitik und das KZ-System

 

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

16798 Fürstenberg, Straße der Nationen

 

In Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Dachau, dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. Gefördert vom Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft des Landes Brandenburg, vom Bundesministerium für Ernährung und Landschaft aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung und von der Daimler AG.

Zurück zur Übersicht