Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

Presseinformationen

49/2022: Trauerfeier für polnische Häftlingsfrauen des KZ Ravensbrück am 6. September in Fürstenberg/Havel

02. September 2022

Nr.: 49/2022

Am Dienstag, 6. September 2022, findet in Fürstenberg an der Havel die feierliche Bestattung der sterblichen Überreste von polnischen weiblichen Häftlingen des Konzentrationslagers Ravensbrück statt. Die Asche der KZ-Opfer wurde 2019 bei Suchgrabungen des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) auf dem Fürstenberger Friedhof geborgen. Im Mittelpunkt des Gedenkens wird eine Feldmesse zum Gedenken an die Opfer stehen, die um 12.00 Uhr von Erzbischof Andrzej Dzięga, Metropolit von Stettin-Kamień, abgehalten wird. Um 14.00 Uhr findet das feierliche Begräbnis der Opfer auf dem Friedhof in Fürstenberg statt An der Trauerfeier werden auch zahlreiche Angehörige von Opfern teilnehmen. Die Veranstaltung wird vom Institut für Nationales Gedenken in Kooperation mit dem Amt für Angelegenheiten von Kriegsveteranen und unterdrückten Personen organisiert und durch das Außenministerium der Republik Polen und den Klub der ehemaligen Häftlinge des Konzentrationslagers Ravensbrück unterstützt.

Im Rahmen eines Pressetermins in der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück werden bereits am Vormittag um 10.30 Uhr 40 Urnendeckel und Schamottsteine, die bei den Grabungen gefunden wurden, durch den stellvertretenden Präsidenden des Instituts für Nationales Gedenken, Krzysztof Szwagrzyk, an Gedenkstättenleiterin Andrea Genest übergeben. Dazu laden wir Vertreterinnen und Vertreter der Medien herzlich ein. Der Übergabe folgen Kranzniederlegungen auf dem Gelände der Gedenkstätte Ravensbrück.

Bis zur Inbetriebnahme eines eigenen Krematoriums im Konzentrationslager Ravensbrück im April 1943 ließ die SS die Toten des Lagers im Krematorium von Fürstenberg einäschern. Die Asche wurde in einer Grube auf dem städtischen Friedhof verscharrt. Im Jahr 1989 wurden auf dem Friedhof Urnen entdeckt, auf denen sich Aluminiumplaketten mit den Namen und Geburtsdaten von KZ-Häftlingen befanden. Die Urnendeckel wurden an die Gedenkstätte Ravensbrück übergeben und werden seit 2013 teilweise in der Hauptausstellung gezeigt.

Im Jahr 2019 konnten Mitarbeiter des IPN-Büros für Forschung und Identifikation in Abstimmung mit den zuständigen Behörden in Deutschland Grabungen auf dem Fürstenberger Friedhof durchführen. Bereits am ersten Tag der Untersuchung wurden Urnen mit der Asche und den Überresten von ermordeten polnischen Frauen gefunden. Ebenfalls erhalten geblieben sind Aluminiumplaketten und Schamottsteine, auf denen die Daten der Opfer eingestempelt sind: ihre Namen, Geburts- und Sterbedaten und Nummern aus der Krematoriumsliste. Auf dieser Grundlage konnten 45 Opfer identifiziert werden. Außerdem wurden Metallfragmente von Kleidungsstücken sowie Spangen gefunden.

Im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück waren zwischen 1939 und 1945 rund 120.000 Frauen aus ganz Europa inhaftiert. Die etwa 40.000 Polinnen bildeten die größte nationale Häftlingsgruppe. Die ersten polnischen Gefangenen kamen im April 1940 nach Ravensbrück. Neben Angehörigen des polnischen Widerstandes befanden sich unter ihnen auch Lehrerinnen und Akademikerinnen. Außerdem waren in Ravensbrück zahlreiche polnische Zwangsarbeiterinnen inhaftiert. Nach dem Wartschauer Aufstand im August 1944 verschleppten die Nationalsozialisten zudem 12.000 zumeist willkürlich festgenommene Frauen und Kinder in das KZ Ravensbrück. Im Winter 1944/45 gelangten mehr als 1.000 polnische Jüdinnen in das Frauen-KZ, die die SS aus dem geräumten KZ Auschwitz nach Ravensbrück getrieben hatte.

Ab Februar 1941 diente das KZ Ravensbrück auch als Hinrichtungsstätte. Von Standgerichten zum Tode verurteilte Widerstandskämpferinnen aus zahlreichen europäischen Ländern wurden zur Exekution nach Ravensbrück gebracht. Mehrere Hundert Widerstandskämpferinnen aus Polen wurden auf diese Weise im KZ Ravensbrück ermordet.

 

Dienstag, 6. September 2022
Beisetzung der sterblichen Überreste von weiblichen polnischen Häftlingen des KZ Ravensbrück

10.30 Uhr: Übergabe von Fundstücken durch das Institut für Nationales Gedenken an die Gedenkstätte Ravensbrück im Rahmen eines Pressetermins (Anmeldung erbeten: seferens@stiftung-bg.de)

anschließend: Kranzniederlegungen

12.00 Uhr: Feldmesse zum Gedenken an die Opfer (Kreuzdamm 6a)

Ansprachen im Anschluss:
Vertreterin der weiblichen Häftlinge des Konzentrationslagers Ravensbruck
Herr Minister Wojciech Kolarski, Staatssekretär in der Kanzlei des Präsidenten der Republik Polen
Frau Małgorzata Gosiewska, Stellvertretende Präsidentin des Sejm der Republik Polen
Herr Minister Jan Józef Kasprzyk, Leiter des Amtes für Kriegsveteranen und unterdrückten Personen
Prof. Krzysztof Szwagrzyk, Stellvertretender Präsident des Instituts für Nationales Gedenken
Herr Jobst-Heinrich Ubbelohde, Staatssekretär für Europa und Beauftragter für Brandenburgisch-Polnische Beziehungen des Landes Brandenburg

14.00 Uhr: Beisetzung der Opfer auf dem Friedhof in Fürstenberg (Friedhofsweg 2)

 

Medienkontakt:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten |T +49 3301 810920 | seferens@stiftung-bg.de
Dr. Rafał Leśkiewicz | Pressesprecher des IPN - Leiter des Büros | T +48 22 602 322 362 | rzecznik@ipn.gov.pl

 

Information: www.ravensbrueck-sbg.de

 

Verantwortlich:
Dr. Horst Seferens | Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten
16515 Oranienburg | Heinrich-Grüber-Platz | T +49 3301 810920 | F +49 3301 810926
seferens@stiftung-bg.de | www.stiftung-sbg.de

 

Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.

 

Zurück zur Übersicht