Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

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Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Die Gedenkstätte Ravensbrück trauert um Elisabeth Vakalopoulou

14. Januar 2022

Wie erst jetzt bekannt wurde, ist die griechische Ravensbrück-Überlebende Elisabeth Vakalopoulou im Juli des vergangenen Jahres im Alter von 96 Jahren verstorben. Elisabeth Vakalopoulou, am 2. Oktober 1924 in Wadum in der früheren UDSSR geboren, war in der griechischen Jugendorganisation der kommunistisch beeinflussten Nationalen Befreiungsfront gegen die deutsche Besatzung aktiv.

Im Juni 1944 wurde die Studentin der Architektur mit einem Sondertransport von Athen nach Ravensbrück deportiert und erhielt die Haftnummer 41321. Zwischen dem 1. und 12. September 1944 erfolgte die Verlegung zur Zwangsarbeit nach Leipzig-HASAG, einem Außenlager des KZ Buchenwald.

Nach ihrer Befreiung beendete sie ihr Architekturstudium an der Nationalen Technischen Universität in Athen (NTU). Dank eines Stipendiums ging sie nach Italien und promovierte an der Universität in Rom. Bis 1962 arbeitete sie als Architektin in Italien und kehrte dann nach Griechenland zurück. Nach vier Jahren als Assistentin an der NTU trat sie mit Beginn der Diktatur zurück. Ab 1974 war sie von Seiten des Kulturministeriums für die städtebauliche und bauliche Kontrolle von geschützten Siedlungen und Gebäuden zuständig. Von 1998 bis 2002 fungierte sie als Beraterin der Kulturorganisation der Stadtverwaltung von Athen. Als aktives Mitglied der Technischen Kammer TCG (TEE) vertrat sie diese seit 2001 in Ausschüssen unter anderem bei Bauausschreibungen. Anlässlich des 80. Jahrestages der Gründung der Kammer wurde sie 2003 für ihren Widerstandskampf und ihr berufliches und gewerkschaftliches Engagement geehrt.

Von 1948 bis 2010 war sie zudem freiberuflich tätig und plante unter anderem Kindergärten und Wohngebäude. Ab 1983 beschäftigte sie sich hauptsächlich mit städtebaulichen Studien.

Sie publizierte zahlreiche Artikel in Architekturzeitschriften und Fachpublikationen und veröffentlichte 2011 ihr Buch Κτιριακά έργα: επιλογές (Bauprojekte – Optionen). Daneben schrieb sie politisch-theoretische Bücher und übersetzte literarische Werke aus dem Italienischen ins Griechische.

Elisabeth Vakalopoulou engagierte sich für die Erinnerung an die Verfolgung und traf sich mehrfach mit Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland und Griechenland, um über ihre Erfahrungen zu sprechen. Im März 2015 wurde sie auf Initiative der Parlamentspräsidentin Zoe Konstantopoulou als Kämpferin des nationalen Widerstands geehrt. Sie gehört zu den porträtierten Persönlichkeiten im Digitalen Archiv griechischer Architektinnen. Zum 57. Jahrestag der Befreiung in der Gedenkstätte Ravensbrück 2002 hielt sie die zentrale Rede. Die Gedenkstätte Ravensbrück wird Elisabeth Vakalopoulou ein ehrendes Gedenken bewahren als eine Persönlichkeit, die die Erinnerung an Ravensbrück auch ohne institutionelle Gemeinschaft im Hintergrund wachhielt.

 

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