Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Original oder Fälschung?

Detailansichten der Uniform im Depot der Gedenkstätte

Die Frage nach Original und Fälschung begleitet die Geschichte des Ausstellens seit jeher. Jenseits einer kriminalistischen Bewertung richtet sich diese Frage vor allem an den Betrachter und seine Wahrnehmung. Wo wird das Fake dem Original nicht gerecht, was ist unersetzbar? Gibt es eine eigene „Echtheit“ der Fälschung? Und was geschieht, wenn das Original und seine Fälschung ununterscheidbar sind?   

In der Ausstellung begegnen wir mit der Uniform einer SS-Helferin eben jener Frage. Die 2008 von einem Sammler angekaufte Uniform gibt Rätsel auf: ein eingenähtes Namensschild zeigt den Namen Jane Bernigau, Oberaufseherin im KZ Groß-Rosen. Doch im Unterschied zu den SS-Helferinnen war sie kein Mitglied der SS, daher nicht in einer Uniform mit SS-Insignien zu erwarten. Zusätzlich zeigt die Recherche unserer Restauratorin, dass das Namensschild erst nachträglich eingenäht wurde, womöglich um ein anderes Namensschild zu ersetzen. So könnte also ein Mangel an Uniformen die Übergabe der Uniform an Bernigau erklären – oder eben die Vermutung einer Fälschung erhärten.

Uniformen von Aufseherinnen und SS-Personal sind eine extreme Rarität. Viele wurden von ihren Trägern und Trägerinnen im Zuge der Strafverfolgung schnell und unwiederbringlich entsorgt. Für Militaria und vor allem für SS-Uniformen gibt es seither einen großen internationalen Absatzmarkt – und eine lukrative Nische für professionelle Fälscher.

Aufgrund der besonderen Lichtempfindlichkeit ist für die Ausstellung eine Reproduktion der Uniform angefertigt worden, die das Original vertritt. So kehren wir zurück zu der Ausgangsfrage nach dem Verhältnis von Original und Fälschung, und finden doch eine neue Situation: Brauchen wir „Echtheit“, um etwas Geschehens zu begreifen, um uns zu erinnern?