Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück
Call for Paper: 18. Europäische Sommer-Universität Ravensbrück
04. Juni 2026
Lager – Räume – Nachbar:innen
Konzentrationslager in ihrem Umfeld
Die Europäische Sommer-Universität 2026 fragt sowohl nach den komplexen Wechselbeziehungen zwischen Konzentrationslagern und ihrem Umfeld als auch nach dem jeweiligen Verhältnis der ortsansässigen Bevölkerung zu den Gedenkstätten in Deutschland, Österreich und den während des Zweiten Weltkriegs von der Wehrmacht besetzten Gebieten. In der öffentlichen Wahrnehmung werden die ehemaligen Lagergelände oft mit den Verbrechen der NS-Diktatur identifiziert. Gerade eine reflektierte Auseinandersetzung mit den historischen Orten bietet die Chance, im politischen Streit um die Deutung der NS-Vergangenheit und deren Relevanz für die Gegenwart Verständnis dafür zu fördern, dass die KZs ein „integraler Bestandteil der nationalsozialistischen Gesellschaftsordnung“ waren (Jens-Christian Wagner) und in ständiger Wechselbeziehung zu ihrem sozialräumlichen Umfeld standen.
Bei der Gründung der Gedenkstätten an den Orten ehemaliger Konzentrationslager spielte das Umfeld der Lager zunächst nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch konfrontierte die Präsenz der Lagergelände und ihre Umwandlung in Gedenkstätten die Menschen in den umliegenden Orten mit einer Vergangenheit, die die meisten so schnell wie möglich vergessen und verdrängen wollten. Untersuchungen wie Jens Schleys „Nachbar Buchenwald“ (1999) und die von ihm und Annette Leo durchgeführte Spurensuche in Fürstenberg / Havel („Das ist so’n zweischneidiges Schwert hier unser KZ…“, 2007) haben in den letzten 30 Jahren deutlich gemacht, wie wichtig es für das Bild der NS-Diktatur und ihrer gesellschaftlichen Verarbeitung ist, das Umfeld der Konzentrationslager zu erkunden.
Die Europäischen Sommer-Universität richtet sich an einen interdisziplinären Kreis von Wissenschaftler:innen, Studierenden, Praktiker:innen aus dem Gedenkstättenbereich und Interessierter. Sie ist intergenerationell, interdisziplinär, international und nimmt Fragen der Geschlechterforschung auf. Eine Simultanübersetzung in Deutsch und Englisch steht zur Verfügung. Das fünftägige Programm enthält Vorträge, Führungen, Workshops und Lesungen.
Für die Forschungsbörse werden Nachwuchswissenschaftler:innen gesucht, die an einem Projekt im Themenfeld der diesjährigen Sommer-Universität oder zur Geschichte des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück arbeiten.
Wer ein Projekt vorstellen möchte, ist eingeladen, sich mit einem Kurzexposé (ca. 300 Wörter) und einem Lebenslauf in einem zusammenhängendem PDF bis zum 5. Juli 2026 zu bewerben. Die ausgewählten Projekte sollen am 31. August 2026 im Format eines World-Cafés präsentiert und mit den Teilnehmer:innen der Sommer-Universität diskutiert werden. Eine Aufwandsentschädigung ist eingeplant.
Bitte senden Sie Ihre Bewerbung oder eventuelle Fragen rund um die Forschungsbörse an Freya Ziegelitz.
Die Europäische Sommer-Universität Ravensbrück wird in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam, dem Leibniz Forschungsverbund „Wert der Vergangenheit” und dem Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin veranstaltet.
Vorbereitungsgruppe: Isabel Enzenbach, Andrea Genest, Johanna Kootz, Sonja Mues, Mohammad Ali Sarshar Sarhangi, Achim Saupe, Thomas Schaarschmidt, Aliena Stürzer, Freya Ziegelitz, Irmgard Zündorf
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