Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

Die Pappell Allee: Ein alternatives Archiv // Eine Ausstellung von Rotem Bidas

Auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück haben Vegetation, Boden und Bäume die politischen Regime überlebt, die sie geformt haben: den Betrieb des Lagers im Nationalsozialismus, die spätere Nutzung als sowjetischer Militärstützpunkt in der DDR und die heutige Gedenkstätte. Die Natur war dabei niemals neutral. Baumbestandene Alleen und akribisch gestaltete Sichtachsen gehörten zu einer politischen Ästhetik, die Gewalt durch Ordnung und Schönheit zu normalisieren suchte. Während des Lagerausbaus wurden Reihen schnellwachsender Pappeln gepflanzt, die Landschaft selbst wurde Teil einer Architektur der Macht. Heute liegen die meisten dieser Bäume als gewaltige Stämme am Boden.

Seit 2023 forscht die KünstlerinRotem Bidas im ehemaligen Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. In wiederkehrenden Aufenthalten und im Dialog mit Historiker:innen und Archivar:innen entwickelt sie eine Praxis des künstlerischen Forschens, die von einer Frage ausgeht: Wo bleibt Erinnerung, wenn die letzten menschlichen Zeug:innen verschwinden? Was behält die Fähigkeit, Zeugnis abzulegen? Bidas schlägt vor, die versehrte Landschaft selbst als Archiv zu betrachten. Sie nähert sich den gefallenen Bäumen nicht als bloßen Metaphern, sondern als materiellen Zeugen: Ihre Stämme, Wurzeln und Wachstumsringe werden zu alternativen Quellen, über die Geschichte zugänglich wird. Während Institutionen und Erzählungen sich wandelten, hat die Umgebung fortwährend Zeit angesammelt, still, ohne Sprache, ohne Absicht.

Zentrale Methode der ortsspezifischen Installation ist die Herstellung großformatiger Abdrücke und Frottagen direkt von den Pappeln. Das Bild entsteht nicht durch Darstellung, sondern durch Kontakt zwischen Körper, Material und Ort. Die Werke dokumentieren das Lager nicht im herkömmlichen Sinn, sie halten eine Begegnung fest, zwischen Künstlerin und Baum, Gegenwart und Vergangenheit. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Pflanzung neuer Pappeln auf dem ehemaligen Lagergelände, eine Geste, die über die Dauer der Ausstellung hinaus in die Zukunft des Ortes weiterwächst. So fragt die Arbeit nicht nur, was wir erinnern, sondern versteht Erinnern selbst als fortdauernde Praxis der Deutung.

Die Ausstellung wird  am 13. September um 14 Uhr im Rahmen des Tag des Denkmals eröffnet und im nächsten Frühjahr mit öffentlichen Gesprächen und Workshops diskursiv begleitet.

Informationen

13. September 2026 – 10. Mai 2027

Ort: Ehemaliges Wasserwerk 

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