Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn‑ und Gedenkstätte Ravensbrück

Die Pappelallee: Ein alternatives Archiv // Eine Ausstellung von Rotem Bidas

Auf dem Gelände des ehemaligen Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück haben Vegetation, Boden und Bäume die politischen Regime überlebt, die sie geformt haben. Die Landschaft war dabei niemals neutral: Beim Aufbau des Lagers wurden Linden gepflanzt, beim Ausbau ließ die SS Reihen schnellwachsender Pappeln setzen. Alleen, gepflegte Vegetation und Sichtachsen wurden Teil einer Topographie der Macht. Heute stehen die meisten dieser Pappeln nicht mehr. Ihre gewaltigen Stämme liegen auf dem Boden, verwandelt von vertikalen Markierungen in horizontale Überreste.

Seit 2023 forscht die israelische Künstlerin Rotem Bidas in Ravensbrück. Ihre Praxis des künstlerischen Forschens geht von einer Frage aus, die sich drängender denn je stellt: Wo bleibt die Erinnerung, wenn die Stimmen verstummen, die sie getragen haben? Bidas schlägt vor, die versehrte Landschaft selbst als Archiv zu betrachten. Sie nähert sich den gefallenen Bäumen nicht als Metaphern, sondern als materiellen Zeugen: Stämme, Wurzeln und Jahresringe werden zu alternativen Dokumenten, in denen sich Geschichte lesen lässt.

Zwischen 2023 und 2026 hat Bidas die Baumrinde und Schnittflächen der Stämme als großformatige Abdrücke und Frottagen im Maßstab 1:1 auf Papier übertragen. Das Bild entsteht nicht durch Darstellung, sondern durch Kontakt zwischen Körper, Material und Ort. So entsteht ein taktiles Archiv, das eine Begegnung festhält: zwischen Künstlerin und Baum, Gegenwart und Vergangenheit. Ergänzt wird die Ausstellung durch die Pflanzung neuer Pappeln auf dem ehemaligen Lagergelände, eine Geste, die in die Zukunft des Ortes weiterwächst. Erinnern erscheint so nicht nur als Akt der Bewahrung, sondern als fortdauernde Praxis der Deutung.

Die Ausstellung wird am Sonntag, dem 13. September 2026, um 13:30 Uhr im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals eröffnet. Im Frühjahr 2027 werden öffentliche Gespräche und Workshops die Ausstellung begleiten.

Die Eröffnung findet in englischer Sprache statt, ohne Verdolmetschung. Um Anmeldung bis zum 12. September 2026 an gedenkstaetteravensbrueckde wird gebeten.

Gefördert durch den Internationalen Freundeskreis der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück e. V., die Dr. Hildegard Hansche Stiftung, die Kulturabteilung der Botschaft des Staates Israel und das Weiss-Livnat International Center for Holocaust Research and Education der Universität Haifa. Die Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten wird gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg und den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Zur Veranstaltung