Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Die SS-Versuchsgüter des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück und die „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH“ (DVA). Eine agrarhistorische Studie 1939-1945

Das fachliche und ideologische Umfeld der nationalsozialistischen Agrarpolitik sowie deren Ziele und Widersprüche werden anhand des Wirkens der SS–Organisation „Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH“ (DVA) untersucht. Die Studie fragt einerseits nach der Rolle der DVA und der von ihr betriebenen Versuchsgüter in Konzentrationslagern und besetzten Gebieten bei agrarpolitischen Planungen und Entscheidungen – wie z.B. der Autarkiepolitik, der Ostexpansion oder der Versorgung bzw. gezielten Nichtversorgung, dem sogenannten „Hungerplan“. Zum anderen untersucht sie die Verbindungslinien zwischen der DVA und anderen agrarpolitisch relevanten Institutionen, wie dem Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft oder dem Reichsnährstand. Zudem soll die Stellung der DVA innerhalb des SS-Systems bestimmt werden.

Drei Arbeitsschwerpunkte gliedern das Projekt:

  • Im Rahmen einer Fallstudie werden die drei Ravensbrücker DVAVersuchsgüter Comthurey, Brückentin und Ravensbrück hinsichtlich ihrer Institutionengeschichte, ihrer sozialen und arbeitstechnischen Faktoren, ihrer Tauschbeziehungen und des Zwangsarbeitseinsatzes der KZ-Häftlinge untersucht. Besonderes Interesse gilt dabei dem NS-spezifischen Widerspruch zwischen agrarpolitischer Vision und Praxis sowie deren Bedeutung für die Ostexpansion.
  • Ferner wird die Rolle der DVA im NS–Agrarwesen bezüglich ihrer Ziele, ihres Aufbaus und Selbstverständnisses als SSOrganisation untersucht. Beleuchtet werden hierfür die Produktionsfelder der DVA in den besetzten Gebieten und Konzentrationslagern, Anbau- und Ernährungsversuche mit Ersatzstoffen, der kriegswirtschaftliche Einfluss der DVA und ihre Bedeutung für die Entwicklung von Siedlungskonzepten und –utopien.
  • Um Entwicklungslinien der DVA herauszuarbeiten, werden schließlich die Betriebe mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten in Ravensbrück mit denen in Auschwitz, Dachau und dem SSInstitut für Pflanzengenetik Lannach verglichen.

Das auf 28 Monate hin konzipierte Vorhaben wird durch den intensiven fachlichen Austausch mit zwei Mitgliedern der Historikerkommission des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Frau Prof. Daniela Münkel und Herrn Prof. Andreas Dornheim, begleitet.

Als Ergebnis der Studie ist eine Monographie über die DVA vorgesehen. Im September  2018 fand bereits eine Europäische Sommer-Universität zum Thema statt. In Kooperation mit der KZ-Gedenkstätte Dachau soll im Anschluss an das Projekt eine Wanderausstellung zum Thema entwickelt werden.