Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

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Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Call for Papers: Die Gruppe der zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in den Konzentrationslagern

17. Mai 2019

Das 32. Arbeitstreffen der Gedenkstätte Ravensbrück nimmt in diesem Jahr gemeinsam mit dem Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit die Gruppe der zivilen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in den Konzentrationslagern in den Blick, die mit Kriegsverlauf eine signifikante Gruppe in den Lagern bildeten. Oftmals mit dem Vorwurf bedacht, sie seien nicht aus politischen Gründen inhaftiert und würden damit den roten Winkel der politischen Häftlinge zu Unrecht tragen – sind sie bis heute weder in der Forschung noch in der öffentlichen Erinnerung mit großer Aufmerksamkeit bedacht. Wenn Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter wegen Verstößen gegen die vielfältigen Regeln und Gesetze, die ihren Aufenthalt im Deutschen Reich prägten, in ein Arbeitserziehungslager oder ein Konzentrationslager eingewiesen wurden, geschah dies vor allem aus Gründen der Disziplinierung. Sie sollten zunächst – anders als die meisten Inhaftierten – nach einer gewissen Zeit wieder in den Zwangsarbeitseinsatz integriert werden. Nach Kriegsende verstummten sie oftmals – oder sie teilten die Erinnerungen an die KZ-Haft, die sie anschlussfähig an die politisch geprägten Erzählungen der Nachkriegszeit machten.

Insbesondere die frühe Nachkriegsliteratur thematisiert noch die Differenzen zwischen den KZ-Häftlingen im Lager. Im Zuge stärker ausgeprägter Erzählungen ganzer Gruppenbiografien in den späteren Jahren geriet diese Haftgruppe jedoch in Vergessenheit.

Das 32. Arbeitstreffen Ravensbrück möchte sich diesem Thema nähern und in bewährter Weise Forschende in diesem Bereich einladen, ihre Forschungsergebnisse und (Teil-)Projekte vorzustellen.

Gemeinsam fragen die Veranstaltenden nach den Gründen für die Überstellung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in Konzentrationslager, waren doch für deren Disziplinierung sog. Arbeiterziehungslager (AEL) vorgesehen. Gefragt wird nach den sozialen Verhältnissen, in denen sich diese Gruppen in den Lagern bewegten und der Entwicklung der Narrative in der Nachkriegszeit. In welchem Kontext werden Fotografien von Zwangsarbeitenden genutzt und wie werden sie im Kontext der historischen Forschung wahrgenommen? Unterscheiden sich private und öffentliche Erinnerung an zivile Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in den Lagern? Finden sich geschlechterspezifische Deutungen?

Das 32. Arbeitstreffen Ravensbrück / 2. Workshop zur Zwangsarbeitsforschung findet am 18./19. Oktober 2019 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit Berlin statt. Die Beiträge verstehen sich als Annäherungen an ein wenig behandeltes Thema, so dass der gemeinsamen Diskussion viel Raum gegeben werden soll. Quellenfunde und offene Fragen sind willkommen.

Die Veranstaltenden bitten um kurze, prägnante Abstracts von höchstens einer Seite mit Vorschlägen für einen 20minütigen Beitrag. Wir bitten diesen bis zum 30. Juni 2019 an die Gedenkstätte Ravensbrück unter sprute@ravensbrueck.de an die Wissenschaftliche Volontärin Hannah Sprute zu senden. Für Rückfragen stehen Hannah Sprute für die Gedenkstätte Ravensbrück und Dr. Andrea Genest (genest@topographie.de) für das Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit gern zur Verfügung.

Leider können die Veranstaltenden nicht für Fahrtkosten oder Aufwandsentschädigungen aufkommen.

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